Menü
13.8.2026
7 Min. Lesezeit

Was sind die häufigsten Fehler beim App-Design?

Die häufigsten Fehler beim App-Design sind eine unklare Navigation, überladene Ansichten, schlecht erkennbare Bedienelemente, zu kleine Touch-Flächen und fehlende Rückmeldungen. Auch ein attraktives Layout funktioniert nicht, wenn Nutzer nicht verstehen, was sie als Nächstes tun sollen oder ob eine Aktion erfolgreich war.

Maximilian Bengs
Maximilian Bengs

Geschäftsführer

3D-Illustration eines Mannes im orangenen Pullover, der fehlerhafte UI-Elemente wie zu kleine Buttons, unklare Icons, überladene Ansichten und schwache Kontraste in einen Papierkorb wirft, während daneben eine klare App-Oberfläche und die schwarze SUITED.-Tasse zu sehen sind.

Die häufigsten Fehler beim App-Design sind eine unklare Navigation, überladene Ansichten, schlecht erkennbare Bedienelemente, zu kleine Touch-Flächen und fehlende Rückmeldungen. Auch ein attraktives Layout funktioniert nicht, wenn Nutzer nicht verstehen, was sie als Nächstes tun sollen oder ob eine Aktion erfolgreich war.

Gutes App-Design beginnt deshalb nicht mit Farben, Effekten oder Animationen. Zuerst müssen Informationsstruktur, Kernaufgaben und typische Nutzerwege feststehen. Die visuelle Gestaltung unterstützt diese Abläufe, statt sie zu überdecken.

1. Die wichtigsten Funktionen sind nicht klar priorisiert

Eine App-Oberfläche verliert schnell an Orientierung, wenn jede Funktion gleich wichtig wirkt. Mehrere auffällige Buttons, große Werbeflächen, Statistiken und Hinweise konkurrieren dann um Aufmerksamkeit.

Apple empfiehlt, die wichtigsten Funktionen an der tatsächlichen Nutzung auszurichten und diese besonders sorgfältig umzusetzen. Nutzer sollen sich frei durch die Oberfläche bewegen können, ohne in unnötig starre Abläufe gedrängt zu werden.

Jeder Bildschirm braucht deshalb eine erkennbare Hauptaufgabe. In einer Buchungsansicht könnte das die Auswahl eines Termins sein. In einer Bestellübersicht steht möglicherweise der aktuelle Lieferstatus im Mittelpunkt.

Zusätzliche Informationen dürfen vorhanden sein, sollten die Hauptaktion aber nicht optisch überlagern. Mehr Funktionen erzeugen nicht automatisch mehr Nutzen.

2. Die Navigation ist unklar oder unnötig ungewöhnlich

Eine kreative Navigation kann visuell interessant wirken, erhöht aber häufig den Lernaufwand. Nutzer müssen erkennen können, wo sie sich befinden, welche Hauptbereiche existieren und wie sie zum vorherigen Zustand zurückkehren.

Problematisch sind beispielsweise Symbole ohne Beschriftung, ausschließlich über Gesten erreichbare Funktionen oder wechselnde Navigationspositionen. Auch ein Menü mit zu vielen gleichrangigen Einträgen erschwert die Orientierung.

Apple empfiehlt, Tab Bars für die Navigation zwischen zentralen Bereichen und nicht als Sammlung allgemeiner Aktionen zu verwenden. Weniger klar abgegrenzte Tabs sind meist leichter zu überblicken als eine überfüllte Navigation.

Für Android gehört außerdem die erwartbare Zurück-Navigation zur grundlegenden App-Qualität. Die Anwendung soll den bisherigen Zustand erhalten und verhindern, dass Nutzer durch einen Navigationsschritt versehentlich Eingaben verlieren.

Vertraute Muster sind nicht langweilig. Sie reduzieren den Aufwand, den Nutzer zunächst in das Verständnis der App investieren müssen.

3. Zu viele Inhalte stehen auf einem Bildschirm

Überladene Screens entstehen häufig, wenn möglichst viele Informationen ohne weitere Navigation sichtbar sein sollen. Das Ergebnis sind kleine Schriften, eng angeordnete Elemente und unklare Prioritäten.

Inhalte sollten nach Aufgabe und Bedeutung gruppiert werden. Eine Übersichtsseite muss nicht sämtliche Detailinformationen anzeigen. Oft genügen Titel, Status, wichtigste Kennzahl und eine klare Möglichkeit, die Detailansicht zu öffnen.

Auch Kartenlayouts können unübersichtlich werden. Wird jede Information in eine eigene große Card gesetzt, entsteht viel Scrollfläche bei vergleichsweise wenig Inhalt.

Reduktion bedeutet allerdings nicht, wichtige Informationen zu verstecken. Eine gute Oberfläche zeigt genau die Angaben, die für die aktuelle Entscheidung benötigt werden.

4. Buttons und Icons sind nicht eindeutig

Ein Button sollte erkennen lassen, welche Aktion er ausführt. Allgemeine Beschriftungen wie „Weiter“, „OK“ oder „Mehr“ sind problematisch, wenn der Zusammenhang nicht sofort verständlich ist.

Konkrete Bezeichnungen wie „Termin verbindlich buchen“, „Entwurf speichern“ oder „Datei hochladen“ schaffen mehr Sicherheit. Das gilt besonders bei Zahlungen, Löschvorgängen und anderen Aktionen mit Folgen.

Icons ohne Text werden ebenfalls häufig überschätzt. Ein Haus, eine Lupe oder ein Papierkorb sind weitgehend vertraut. Individuelle Symbole oder ähnliche Linien-Icons können dagegen unterschiedlich interpretiert werden.

Farbe allein sollte nicht bestimmen, ob ein Element anklickbar oder aktiv ist. Form, Beschriftung, Position und Zustand müssen gemeinsam verständlich sein.

5. Touch-Ziele sind zu klein oder liegen zu dicht beieinander

Filigrane Icons wirken in einem Entwurf oft elegant. Auf einem echten Smartphone lassen sie sich möglicherweise nur schwer treffen.

Die WCAG 2.2 enthält für viele Bedienelemente ein Mindestkriterium von 24 mal 24 CSS-Pixeln oder verlangt ausreichenden Abstand zu benachbarten Zielen. Dadurch sollen versehentliche Eingaben reduziert werden.

Das sichtbare Symbol kann kleiner sein als die tatsächliche berührbare Fläche. Entscheidend ist, dass Nutzer den Bereich zuverlässig auswählen können.

Besondere Aufmerksamkeit benötigen kleine Schließen-Symbole, Checkboxen, Pfeile, Kontextmenüs und Aktionen innerhalb langer Listen. Werden „Bearbeiten“ und „Löschen“ unmittelbar nebeneinander platziert, steigt das Risiko einer falschen Auswahl.

6. Kontraste und Schriftgrößen werden dem Stil untergeordnet

Helle graue Schrift, transparente Karten und feine Linien können modern wirken, sind aber nicht automatisch gut lesbar. Besonders auf wechselnden Hintergründen oder bei geringer Bildschirmhelligkeit gehen Inhalte schnell verloren.

Die WCAG verlangt für visuelle Informationen, die zum Erkennen von Bedienelementen und Zuständen notwendig sind, ausreichenden Kontrast zur Umgebung. Auch Fokuszustände müssen sichtbar bleiben.

Apple empfiehlt, Barrierefreiheit von Beginn an in das App-Design einzubeziehen. Dazu gehört auch, dass Oberflächen auf veränderte Textgrößen reagieren und Informationen nicht ausschließlich über Farbe oder Ton vermitteln.

Ein Layout sollte daher mit größeren Systemeinstellungen getestet werden. Texte dürfen nicht abgeschnitten werden, Buttons müssen trotz längerer Beschriftung funktionieren und wichtige Inhalte sollen weiterhin in einer sinnvollen Reihenfolge erscheinen.

7. Die App gibt keine klare Rückmeldung

Nach einer Aktion müssen Nutzer erkennen können, was passiert. Wurde die Buchung gespeichert? Läuft der Upload noch? Ist die Zahlung fehlgeschlagen? Ohne Rückmeldung entstehen Unsicherheit und wiederholte Eingaben.

Apple beschreibt klare und konsistente Rückmeldungen als wichtigen Bestandteil einer intuitiven Benutzeroberfläche. Statusinformationen sollten möglichst in den bestehenden Ablauf integriert werden. Warnmeldungen sind dagegen nur angemessen, wenn die Bedeutung der Information die Unterbrechung rechtfertigt.

Ein Ladeindikator allein reicht nicht immer aus. Bei längeren Vorgängen sollte erkennbar sein, welche Aktion verarbeitet wird und ob Nutzer die App verlassen dürfen.

Fehlermeldungen müssen außerdem erklären, was schiefgegangen ist und wie das Problem behoben werden kann. „Fehler 4027“ hilft einem Nutzer nicht. „Die Datei konnte wegen der unterbrochenen Verbindung nicht hochgeladen werden. Erneut versuchen“ ist handlungsorientiert.

8. Leere, fehlerhafte und unterbrochene Zustände fehlen

Designentwürfe zeigen häufig nur den Idealzustand mit vollständigen Daten. In der echten App können Listen leer sein, Verbindungen abbrechen oder Berechtigungen verweigert werden.

Eine leere Ansicht sollte nicht wie ein technischer Fehler wirken. Sie kann erklären, warum noch keine Inhalte vorhanden sind und welche Aktion als Nächstes möglich ist.

Auch unterbrochene Prozesse müssen berücksichtigt werden. Android empfiehlt, App-Zustände bei Wechseln in den Hintergrund oder anderen Unterbrechungen zu erhalten. Eingaben und laufende Vorgänge sollen nicht versehentlich verloren gehen.

Zur Gestaltung gehören deshalb mindestens Erfolgs-, Lade-, Leer-, Fehler- und Offline-Zustände.

9. Das Layout wird nur für ein Smartphone entworfen

Eine Oberfläche kann auf dem verwendeten Designgerät perfekt wirken und auf einem kleineren Smartphone, Tablet oder faltbaren Gerät auseinanderbrechen.

Android-Apps laufen inzwischen auf zahlreichen Displaygrößen und in veränderbaren Fenstern. Die offiziellen Qualitätsrichtlinien verlangen deshalb responsive und adaptive Layouts, die sich an unterschiedliche Formfaktoren anpassen.

Ein Tablet-Layout sollte nicht nur eine breitere Smartphone-Ansicht sein. Auf größeren Displays können Navigation und Inhalte anders angeordnet werden, beispielsweise als Liste mit danebenliegender Detailansicht.

Auch Hoch- und Querformat, Bildschirmtastatur und Splitscreen-Nutzung gehören zu realistischen Testsituationen.

Häufige App-Design-Fehler im Vergleich

DesignfehlerTypische AuswirkungBessere Lösung
Zu viele gleichwertige ElementeNutzer erkennen die Hauptaufgabe nichtPro Bildschirm eine klare Priorität setzen
Versteckte NavigationFunktionen werden nicht gefundenVertraute und konsistente Navigation verwenden
Unklare IconsAktionen werden falsch verstandenSymbole beschriften oder eindeutig gestalten
Kleine Touch-FlächenHäufige FehleingabenGrößere aktive Bereiche und ausreichende Abstände
Schwache KontrasteInhalte sind schwer lesbarKontraste und Zustände systematisch prüfen
Fehlende RückmeldungNutzer wiederholen AktionenErfolg, Ladezustand und Fehler deutlich anzeigen
Nur Idealzustand gestaltetLeere und fehlerhafte Ansichten wirken unfertigAlle relevanten Systemzustände entwerfen
Starres Smartphone-LayoutProbleme auf Tablets und anderen DisplaysResponsive und adaptive Strukturen planen

Die Fehler treten häufig gemeinsam auf. Eine überfüllte Ansicht führt beispielsweise zu kleineren Touch-Zielen, schwächerer Hierarchie und schwerer verständlichen Zuständen.

10. Designentscheidungen werden nicht mit Nutzern getestet

Ein Designteam kennt die geplante Struktur bereits. Dadurch wirken Begriffe, Symbole und Abläufe für Beteiligte häufig eindeutiger als für neue Nutzer.

Ein klickbarer Prototyp sollte deshalb vor der Entwicklung mit Personen getestet werden, die das Konzept nicht kennen. Entscheidend ist nicht nur, ob ihnen der Stil gefällt. Sie sollten zentrale Aufgaben ohne Erklärung finden und abschließen können.

Beobachtet werden sollte, wo Nutzer zögern, zurückgehen, falsche Elemente auswählen oder Hilfe benötigen. Solche Stellen liefern konkretere Hinweise als eine allgemeine Frage nach dem persönlichen Geschmack.

Fazit: Gutes App-Design macht Funktionen verständlich

Die häufigsten Fehler beim App-Design entstehen durch fehlende Priorisierung, unklare Navigation, zu kleine Bedienelemente und unvollständig geplante Zustände. Visuelle Trends können diese Probleme zusätzlich verstärken, wenn Lesbarkeit und Bedienung dem Stil untergeordnet werden.

Beginnen Sie mit den wichtigsten Nutzeraufgaben und einer nachvollziehbaren Informationsstruktur. Gestalten Sie anschließend Navigation, Rückmeldungen, Fehlermeldungen und unterschiedliche Displaygrößen.

Lassen Sie den App-Prototyp vor der Entwicklung auf echten Geräten und mit unbeteiligten Testpersonen prüfen. So werden kostspielige Bedienprobleme sichtbar, bevor sie fest im Quellcode verankert sind.

Über den Autor

Maximilian Bengs
Maximilian Bengs

Geschäftsführer

Als Geschäftsführer bei Suited Technologies entwickelt Maximilian Bengs Digitalisierungsstrategien für KMUs.

App-EntwicklungSEOGEOAEOKI