Checkliste für die App-Konzeption
Eine gute Checkliste für die App-Konzeption beginnt nicht mit Farben, Frameworks oder dem App Store. Zuerst müssen das konkrete Nutzerproblem, die Zielgruppe und die wichtigste Funktion feststehen. Erst danach lassen sich Umfang, Technik, Kosten und Entwicklungszeit sinnvoll planen.

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Eine gute Checkliste für die App-Konzeption beginnt nicht mit Farben, Frameworks oder dem App Store. Zuerst müssen das konkrete Nutzerproblem, die Zielgruppe und die wichtigste Funktion feststehen. Erst danach lassen sich Umfang, Technik, Kosten und Entwicklungszeit sinnvoll planen.
Die folgende Checkliste hilft dabei, eine App-Idee in ein umsetzbares Konzept zu übersetzen. Sie eignet sich für native Apps, Cross-Platform-Projekte und No-Code-Anwendungen.
1. Welches Problem soll die App lösen?
Formulieren Sie das Problem in einem klaren Satz. Die Beschreibung sollte keine Funktionen aufzählen, sondern die Situation des Nutzers benennen.
Beispiel:
Kunden eines Friseursalons können freie Termine außerhalb der Öffnungszeiten nur schwer einsehen und buchen.
Daraus kann später eine Termin-App entstehen. Eine Formulierung wie „Wir möchten eine moderne App mit vielen Funktionen“ hilft dagegen nicht bei der Planung.
Prüfen Sie:
- Wer hat das Problem?
- Wie wird es bisher gelöst?
- Warum reicht die bisherige Lösung nicht aus?
- Welchen konkreten Vorteil bietet die App?
2. Wer soll die App nutzen?
Definieren Sie die Zielgruppe genauer als „alle Kunden“. Alter, technische Erfahrung, Nutzungssituation und verwendete Geräte beeinflussen die gesamte App-Konzeption.
Eine interne Lager-App benötigt große Schaltflächen und kurze Arbeitsschritte. Bei einer Banking-App stehen Vertrauen, Sicherheit und eine eindeutige Nutzerführung stärker im Vordergrund.
Apple empfiehlt, die wichtigsten Funktionen daran auszurichten, was Menschen mit dem Produkt tatsächlich erreichen möchten. Sicherheit, Datenschutz und eine verständliche Bedienung sollen von Beginn an berücksichtigt werden. Weitere Grundlagen bietet Apple in den Human Interface Guidelines.
3. Was ist die wichtigste Funktion?
Legen Sie eine Kernfunktion fest, ohne die die App keinen Nutzen hätte.
Bei einer Termin-App wäre das die Buchung eines verfügbaren Termins. Push-Nachrichten, Gutscheine und Kundenbewertungen können sinnvoll sein, gehören aber nicht zwingend zur ersten Version.
Teilen Sie die gewünschten Funktionen in drei Gruppen:
| Priorität | Bedeutung |
| Muss | Ohne diese Funktion erfüllt die App ihren Zweck nicht |
| Soll | Wichtig, aber für die erste Version nicht zwingend |
| Kann | Ergänzung für spätere Versionen |
Diese Einteilung schützt das Projekt vor einem zu großen Funktionsumfang.
4. Wie sieht der wichtigste Nutzerablauf aus?
Beschreiben Sie Schritt für Schritt, wie ein Nutzer sein Ziel erreicht.
Bei einer Buchungs-App könnte der Hauptablauf so aussehen:
- App öffnen
- Leistung auswählen
- freien Termin anzeigen
- Kontaktdaten eingeben
- Buchung bestätigen
Für jeden Schritt sollte klar sein, welche Eingaben benötigt werden und was danach passiert. Erst wenn der Hauptablauf funktioniert, werden Sonderfälle ergänzt.
Erstellen Sie eine Liste aller notwendigen Screens. Für eine einfache App können das beispielsweise Startseite, Anmeldung, Übersicht, Detailansicht, Formular, Profil und Einstellungen sein.
Skizzieren Sie die Ansichten zunächst als einfache Wireframes. Dabei reichen Kästen, Beschriftungen und Pfeile. Farben, Bilder und Animationen sind in dieser Phase zweitrangig.
Die Oberfläche sollte sich an den Bedienmustern des jeweiligen Betriebssystems orientieren. Google empfiehlt für Android unter anderem klare Interaktionsmuster, adaptive Layouts und eine Darstellung, die auf unterschiedlichen Bildschirmgrößen zuverlässig funktioniert. Die offiziellen Anforderungen stehen in den Android-Qualitätsrichtlinien.
6. Welche Daten verarbeitet die App?
Notieren Sie, welche Daten erhoben, gespeichert, verändert und weitergegeben werden.
Dazu können gehören:
- Name und Kontaktdaten
- Standort
- Zahlungsinformationen
- Fotos und Dateien
- Gesundheitsdaten
- Nutzungs- und Gerätedaten
Für jede Information muss geklärt werden, warum sie benötigt wird, wo sie gespeichert wird und wer darauf zugreifen darf.
Datenschutz sollte nicht erst kurz vor der Veröffentlichung ergänzt werden. Die Europäische Kommission beschreibt „Datenschutz durch Technikgestaltung“ als Maßnahmen, die bereits bei der Planung einer Datenverarbeitung berücksichtigt werden. Dazu gehören datensparsame Voreinstellungen, Zugriffsbeschränkungen und geeignete Sicherheitsmaßnahmen. Weitere Informationen bietet die Europäische Kommission zum Datenschutz durch Technikgestaltung.
7. Welche technischen Schnittstellen werden benötigt?
Prüfen Sie, ob die App mit bestehenden Systemen verbunden werden muss:
Für jede Schnittstelle sollte geklärt werden, ob eine dokumentierte API vorhanden ist. Fehlt eine geeignete Schnittstelle, kann eine scheinbar einfache Funktion erheblich mehr Entwicklungsaufwand verursachen.
Die Technik wird erst ausgewählt, nachdem Funktionen und Schnittstellen feststehen.
Mögliche Ansätze sind:
- No-Code für überschaubare Abläufe und Prototypen
- Flutter oder React Native für Android und iOS
- Swift für eine native iOS-App
- Kotlin für eine native Android-App
- Progressive Web App für browserbasierte Anwendungen
Auch die Architektur sollte früh geplant werden. Google empfiehlt eine klare Trennung zwischen Benutzeroberfläche und Datenebene, damit eine App wartbar, testbar und später erweiterbar bleibt. Der Leitfaden zur Android-App-Architektur erklärt diese Grundsätze ausführlicher.
Definieren Sie vor der Entwicklung konkrete Testfälle. Dazu gehören der normale Hauptablauf sowie Fehler- und Sonderfälle.
Prüfen Sie beispielsweise:
- Was passiert bei fehlender Internetverbindung?
- Wie reagiert die App auf falsche Eingaben?
- Funktioniert sie auf kleinen und großen Displays?
- Was geschieht bei einem abgebrochenen Bezahlvorgang?
- Können Nutzer ihre Daten ändern oder löschen?
- Sind Texte, Kontraste und Schaltflächen gut bedienbar?
Tests sollten auf echten Geräten stattfinden. Ein Emulator bildet Kamera, Benachrichtigungen, Leistung und unterschiedliche Betriebssystemversionen nicht immer vollständig ab.
Am Ende der App-Konzeption sollte ein kompaktes Dokument vorliegen mit:
Dieses Konzept bildet die Grundlage für ein Angebot, einen Prototyp oder die technische Entwicklung.
Eine App-Konzeption ist abgeschlossen, wenn Zielgruppe, Kernfunktion, Nutzerabläufe und technische Abhängigkeiten eindeutig beschrieben sind. Design und Framework folgen aus diesen Entscheidungen – nicht umgekehrt.
Erstellen Sie zunächst eine reduzierte erste Version mit den Funktionen, die das zentrale Nutzerproblem lösen. Lassen Sie das Konzept anschließend technisch prüfen, bevor Design und Entwicklung beginnen. Dadurch werden fehlende Schnittstellen, unnötige Funktionen und unrealistische Anforderungen früh sichtbar.
Über den Autor

Geschäftsführer
Als Geschäftsführer bei Suited Technologies entwickelt Maximilian Bengs Digitalisierungsstrategien für KMUs.